L203 · Verkehrssicherheit Reichsstraße, Lustenau
Auswertung 2013–2025 · Stand 17. August 2026
Bericht übergeben — am 17. August 2026 an Bürgermeister und Vizebürgermeister. Der Verkehrssicherheitsgipfel mit dem Land Vorarlberg findet Mitte September statt. Bericht herunterladen (PDF)

02 · Verkehrsmengen

Wie stark die Reichsstraße wirklich belastet ist

Die amtliche Dauerzählstelle im Bereich Zollamt misst den Verkehr auf der L203 (km 10,95) rund um die Uhr. Ausgewertet sind alle 52 Monate von Januar 2022 bis April 2026 — als durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke (DTV), getrennt nach Pkw- und Lkw-ähnlichen Fahrzeugen. Diese Seite wertet Menge, Entwicklung, Tageszeit und Schwerverkehr rein sachlich aus.Q

19.900
Kfz pro Tag (L203)
Jahresmittel 2025 · Spitzentag 25.291
Rang 5
von 90 Landesstraßen
Vorarlberg-weiter Vergleich
14 %
Lkw-Anteil werktags
jedes 7. Fahrzeug (Di–Do)
1.682
Kfz in der Spitzenstunde
gemessenes Maximum (Qmax)

Datengrundlage: Land Vorarlberg, Verkehrszählstelle 90551 (L203 Bereich Zollamt), atlas.vorarlberg.at — DTV-Kennwerte nach RVS 02.01.12. Eigene Auswertung. Werte gerundet, ohne Gewähr.Q

Landesvergleich

Rang 5 von 90 — die Reichsstraße gehört zur Spitzengruppe

Ist ~20.000 Kfz/Tag viel für eine Ortsdurchfahrt? Zur Einordnung wurden 90 Vorarlberger Landesstraßen-Zählstellen ausgelesen. Die L203 liegt auf Rang 5 von 90 — oberhalb des 95. Perzentils und beim rund 2,3-fachen des Landes-Medians (~8.350 Kfz/Tag). Vergleichbar belastet sind nur die Hauptachsen des unteren Rheintals (L190, L202) und der A14-Zubringer.

Balkendiagramm der am stärksten belasteten Vorarlberger Landesstraßen-Zählstellen; L203 Reichsstraße hervorgehoben.
Abb. 1 — Top-Stationen von 90 gemessenen Landesstraßen-Querschnitten (Juni 2024). SVG öffnen

Entwicklung & Saison

Ein stabiles Plateau auf hohem Niveau

Die L203 liegt seit Jahren konstant bei rund 19.000–20.000 Kfz/Tag — ein Kapazitätsplateau mit leichtem Anstieg ab 2025. Im Jahresverlauf ist der Januar durchgängig der schwächste Monat, das Frühjahr bis zum Frühherbst (März–Oktober) der stärkste; an einzelnen Frühjahrstagen werden über 21.000 Kfz erreicht.

Gestapeltes Balkendiagramm: Jahresdurchschnitt Kfz pro Tag der L203 Bereich Zollamt nach Pkw und Lkw, 2022 bis 2026.
Abb. 2 — Jahresdurchschnitt Kfz/24 h nach Fahrzeugklasse. 2026 nur Jan–Apr. SVG
Liniendiagramm: Kfz pro Tag je Monat der L203 Bereich Zollamt, 2022 bis 2026, mit ausgeprägtem Sommer-Hoch und Januar-Tief.
Abb. 3 — Monatsverlauf 2022–2026 (DTV Mo–So). SVG

Tageszeit

Die Verkehrsspitze fällt in die Wegzeiten der Kinder

Der Kennwert Qmax ist die stärkste Stunde eines Monats — die für die Bemessung von Kreuzungen und Knotenpunkten maßgebliche Größe. Wertet man aus, wann diese Spitzenstunde über die 52 Monate liegt, ergibt sich ein klares und für die Verkehrssicherheit bedeutsames Muster:

Balkendiagramm: Häufigkeit der Kfz- und Lkw-Spitzenstunde nach Tageszeit. Lkw-Spitze morgens 8 bis 11 Uhr, Kfz-Spitze mittags 11 bis 14 Uhr.
Abb. 4 — Häufigkeit der Spitzenstunde nach Tageszeit, KFZ und Lkw getrennt (n=52 Monate). SVG
  • Kfz-Spitze mittags: Die stärkste Stunde liegt zu 63 % zwischen 11 und 14 Uhr (13–14 Uhr allein 25 %) — die Kernzeit des Schulrückwegs.
  • Lkw-Spitze morgens: Der Schwerverkehr kulminiert zu 93 % zwischen 8 und 11 Uhr (9–10 Uhr allein 37 %) — überlagert die morgendliche Kindergarten-/Bringzeit.
  • Beide Spitzen treffen damit genau jene Zeitfenster, in denen die meisten ungeschützten Kinder auf den Querungen unterwegs sind. Der Befund ist stabil über alle Jahre (Qmax schwankt kaum) und damit repräsentativ.

Abgleich Unfälle

Und genau dann häufen sich die Unfälle mit Rad und Fuß

Legt man die Unfälle der L203 in Lustenau (2013–2025, gesamter Straßenzug) über dieselbe Tageszeit-Achse, decken sich die Verkehrsspitzen mit erhöhten Anteilen ungeschützter Verkehrsteilnehmer (Rad/Fuß, „VRU"):

Balkendiagramm der Unfälle nach Tageszeit auf der L203 Lustenau, mit hervorgehobenem Anteil der Unfälle mit Rad- und Fußgängerbeteiligung.
Abb. 5 — Unfälle nach Tageszeit, L203 Lustenau gesamt (n=360); rot = mit Rad-/Fußbeteiligung. Quelle: Statistik Austria, Unfallatlas. SVG
Unfälle je Tageszeitfenster und Anteil mit Rad-/Fußbeteiligung. L203 Lustenau gesamt, 2013–2025.
ZeitfensterUnfällemit Rad/FußAnteil
07–10 h · Bring-/Kita-Zeit (Lkw-Spitze)401948 %
11–15 h · Schulrückweg (Kfz-Spitze)1034443 %
16–19 h · Abendpendler864451 %

Was das heißt — und was nicht

In allen drei „Menschen-unterwegs"-Fenstern ist rund jeder zweite Unfall ein Rad-/Fußgängerunfall. Die morgendliche Lkw-Spitze und die mittägliche Kfz-Spitze fallen mit erhöhten VRU-Häufungen zusammen; die Abendspitze (16–19 h) kommt mit dem höchsten Anteil (51 %) als drittes Muster dazu. Das ist eine zeitliche Deckung von Verkehrs- und Unfallhäufung — kein Kausalitätsnachweis, aber ein deutlicher Hinweis, dass Verkehrskonzentration und Gefährdung Ungeschützter dieselben Stunden betreffen.

Schwerverkehr

Werktags ist jedes siebte Fahrzeug ein Lkw

Über die ganze Woche gemittelt liegt der Lkw-Anteil bei rund 10 %. Aussagekräftiger ist der Werktagswert (Di–Do), weil an Wochenenden und Feiertagen kaum Schwerverkehr fährt und den Durchschnitt verdünnt: werktags sind es 14,1 % — jedes 7. Fahrzeug.

14,1 %
Lkw-Anteil Di–Do
vs. 9,9 % im Wochenmittel
~2.700
Lkw-ähnliche Fzg./Werktag
≈ 700.000 pro Jahr
+15 %
Spitzentag über Ø
stärkster Tag vs. Monatsmittel
  • Für das Risiko zählt die Konzentration, nicht der Durchschnitt: Der stärkste Tag eines Monats liegt bei den Kfz konstant rund 15 % über dem Mittel — geglättete Jahreswerte unterzeichnen die real auftretenden Belastungsspitzen.
  • Hinweis zur Einordnung: „Lkw-ähnlich" (LKWÄ) ist nach RVS 02.01.12 eine Größenklasse (Länge/Achszahl aus den Zählschleifen), keine Antriebs- oder Emissionsklasse — ein Indikator für Schwerverkehrslast, kein Emissionsmesswert.

Grenz-Schwerverkehr

Fast ein Viertel des Vorarlberger Grenz-Lkw läuft über Lustenau-Au

Lustenau liegt zwischen der A14 und der Schweizer Grenze. Vergleicht man alle 13 Landesstraßen-Grenzübergänge Vorarlbergs nach ihrem werktäglichen Schwerverkehr, zeigt sich eine deutliche Konzentration:

Rangbalken der 13 Vorarlberger Landesstraßen-Grenzübergänge nach Lkw pro Werktag; die drei Lustenauer Übergänge rot hervorgehoben, Lustenau-Au an erster Stelle.
Abb. 6 — Lkw-ähnliche Fahrzeuge pro Werktag je Grenzübergang (Di–Do, 2024); Prozent = Anteil an allen Grenz-Lkw. SVG
  • Lustenau-Au (L204) ist der größte Schwerverkehrs-Grenzübergang des Landes — allein 24,5 % aller Landesstraßen-Grenz-Lkw. Die drei Lustenauer Übergänge zusammen tragen 31,5 % — knapp ein Drittel durch eine Gemeinde.
  • Der Verkehr ist dabei nicht gleich verteilt: Während Lustenau-Au 1.459 Lkw/Werktag zählt, tragen Lustenau-Widnau (69) und mehrere Feldkircher Übergänge (<80) kaum Schwerverkehr — an ihnen ist die Lenkung bereits Realität.
  • Abgrenzung: Die hohe Lkw-Last der Reichsstraße selbst (~2.700/Werktag) ist überwiegend regionaler Nord-Süd-Durchgangsverkehr, nicht Grenzverkehr — beide Belastungen überlagern sich in Lustenau. Autobahn-Grenzübergänge (A14-Transit) sind hier nicht enthalten.

Lärm & Schadstoffe

Der Schwerverkehr belastet doppelt — Lärm und Luft

Lkw sind nicht nur ein Sicherheitsthema. Sie sind je Fahrzeug überproportional für Lärm und Schadstoffe verantwortlich — und die L203 verläuft mitten durch Wohn- und Ortsgebiet (in den Unfalldaten liegen 355 von 360 Fällen im Ortsgebiet). Wie stark der Schwerverkehr durchschlägt, lässt sich mit dem amtlichen Lärmberechnungsverfahren beziffern:

Zwei Balken: 14 Prozent der Fahrzeuge sind Lkw, aber sie verursachen rund 53 Prozent des Verkehrslärms.
Abb. 7 — Fahrzeug- vs. Lärmanteil nach dem Berechnungsverfahren RLS-90 (1 Schwerfahrzeug ≈ 5–10 Pkw). SVG
  • Lärm: Nach den gängigen Berechnungsverfahren (RLS-90, sinngemäß RVS 04.02.11) zählt ein Schwerfahrzeug akustisch wie etwa 5–10 Pkw. Bei der gemessenen Zusammensetzung entfällt damit rund die Hälfte des Verkehrslärms auf die 14 % Schwerfahrzeuge — obwohl sie nur jedes 7. Fahrzeug stellen.
  • Schadstoffe: Ein schweres Dieselfahrzeug emittiert je Kilometer ein Vielfaches an Stickoxiden (NO₂) und Feinstaub eines Pkw und ist damit — gemessen an seinem Anteil — die dominierende Quelle der verkehrsbedingten Luftbelastung. („Lkw-ähnlich" bleibt eine Größenklasse; der konkrete Emissions- und Antriebsmix ist damit noch nicht gemessen.)
  • Zeitliche Ballung: Die Lkw-Spitze fällt morgens 8–11 Uhr in die Kindergarten-/Bringzeit — Lärm- und Schadstoffbelastung konzentrieren sich also auf sensible Stunden in Wohnnähe.

Für den Schadstoffteil gibt es sogar amtliche Messwerte direkt vor Ort: Genau hier steht die verkehrsnahe Luftmessstation Lustenau Zollamt, die Stickstoffdioxid (NO₂) misst — den Leitschadstoff des Straßenverkehrs, der zu rund 70 % aus Verkehrsemissionen stammt.

Balkendiagramm: NO2-Jahresmittel an der Station Lustenau Zollamt — 2017 40 µg/m³ (Grenzwert erreicht), 2023 24,4, 2024 22,9 — mit Grenzwertlinien EU 40, IG-L 30, EU ab 2030 20, WHO 10.
Abb. 8 — NO₂-Jahresmittel an der Station Lustenau Zollamt gegenüber den Grenzwerten. Quelle: Land Vorarlberg / Umweltbundesamt. SVG
  • Historisch überschritten: 2017 lag der NO₂-Jahresmittelwert bei 40 µg/m³ — am EU-Grenzwert und über dem strengeren österreichischen Wert; die Station war damals eine von rund einem Dutzend in Österreich über dem Limit.
  • Deutlich gesunken: Durch die sauberere Fahrzeugflotte ist der Wert bis 2024 auf rund 23 µg/m³ gefallen und liegt heute unter den geltenden Grenzwerten (IG-L 30, EU 40).
  • Aber noch nicht „gesund": Der aktuelle Wert liegt weiterhin über dem EU-Zielwert ab 2030 (20 µg/m³) und beim rund 2,3-fachen der WHO-Empfehlung (10 µg/m³).

Was daraus objektiv folgt

Die Messung bestätigt den Verkehr — vor allem den Diesel-Schwerverkehr — als dominierende NO₂-Quelle direkt an der Reichsstraße. Eine aktuelle Grenzwertüberschreitung besteht nicht; die Werte sind seit 2017 deutlich gesunken. Belegbar bleibt: die Belastung an dieser verkehrsnahen Wohnlage liegt über den gesundheitsbasierten Zielwerten (WHO, EU 2030), sie war historisch über dem Grenzwert, und ihr Jahresmittel verdünnt die höheren Werktags- und Winterwerte. Das rechtfertigt fortlaufendes Monitoring und macht die Verringerung des Schwerverkehrs auch lufthygienisch relevant. Für Lärm fehlt eine vergleichbare amtliche Messung — hier ist eine Lärmmessung der sachlich nächste Schritt.

Regelwerk

Was die RVS ab dieser Belastung fordern

Die österreichischen Richtlinien (RVS) knüpfen konkrete bauliche Vorgaben an Verkehrsstärke, Schwerverkehr und Geschwindigkeit. Bei den gemessenen Werten der L203 sind die maßgeblichen Schwellen durchwegs überschritten:

Abgleich der gemessenen Belastung mit RVS-Schwellenwerten. Belege überwiegend aus frei zugänglichen Landes-Leitfäden (Umsetzung der kostenpflichtigen RVS) — Details und Vorbehalte im Bericht.
RegelwerkSchwelleAusgelöste MaßnahmeL203
RVS 03.03.31
Querschnitt
> 15.000 DTV oder > 1.000 Lkw/24 hQuerschnitt L 8,0 — 8,0 m Fahrbahn, 3,75 m FahrstreifenJa
RVS 03.02.13
Radverkehr
„Trennen"-Grenze ~7.000 Kfz/24 h bei V85 50Baulich getrennter Radweg — Mischverkehr unzulässigJa
RVS 03.02.12
Fußgänger
Fahrbahn > 8 m oder > 1.000 Kfz/h SpitzeMittelinsel / Fahrbahnteiler (2,0 m)Ja
RVS 05.04.31
Signalanlage
> 1.000 Kfz/h bzw. ≥ 2 Fahrstreifen/Ri.Lichtsignalanlage prüfenJa
  • Radverkehr: Bei ~20.000 Kfz/Tag und Tempo 50 liegt die L203 weit in der „Trennen"-Zone der RVS 03.02.13 (gültig seit 1.4.2022). Ein Mischverkehr ist nicht zulässig; bei dieser Belastung und ~14 % Lkw werktags ist ein baulich getrennter Radweg angezeigt.
  • Fußgängerquerungen: Die Spitzenstunde liegt mit bis zu 1.682 Kfz/h deutlich über 1.000 Kfz/h. Ein einfacher Zebrastreifen über eine 8-m-Fahrbahn ist damit nicht ausreichend — Mittelinsel bzw. Ampel sind indiziert.

Belegbarkeit

Die konkreten DTV-/Lkw-Schwellen stammen aus frei zugänglichen Landes-Leitfäden, welche die kostenpflichtigen RVS umsetzen; das „Mischen/Trennen"-Diagramm der RVS 03.02.13 wurde aus einer Fachpräsentation abgelesen. Die Kernaussagen (L 8,0-Querschnitt, getrennte Radführung, gesicherte Querungen) sind trotz Ableseunschärfe eindeutig. Details im Bericht.

Einordnung

Abgleich mit den Verkehrssicherheitsstrategien

Drei Strategiedokumente (Land Vorarlberg 2025–2034, Österreich 2021–2030, Aktionsplan Geschwindigkeit) benennen ihre Kernziele. Gegenübergestellt der gemessenen Lage an der L203 ergibt sich, wo die reale Entwicklung von diesen Zielen abweicht — sachlich, ohne Wertung:

Ziele der Strategien gegenüber der gemessenen L203-Lage. Zitate mit Kapitel-/Seitenangabe im Bericht.
StrategieRelevantes ZielVerhältnis zur Lage
Vorarlberg 2025–2034Toter Winkel Lkw als „wesentliche Unfallursache für getötete Radfahrende"; 74 % der Lkw-Getöteten sind VRUgegenläufig
−50 % Getötete/Schwerverletzte bis 2034; „jede zweite S+G-Person im Ortsgebiet ist Radfahrer"gegenläufig
Österreich 2021–2030Maßnahmenpaket „Lkw-Rechtsabbiegen" gegen folgenschwere VRU-Unfällegegenläufig
„Steigende Fahrleistungen im MIV stellen ein Problem dar"Spannung
Aktionsplan Geschwindigkeit 2024Tempomanagement in Kfz-VRU-MischzonenSpannung

Alle drei sind Sicherheits-, keine Mengenplanungsdokumente — sie setzen keine Kfz-Grenzwerte. Die Abweichung ist am deutlichsten dort, wo Lkw-Abbiegekonflikt und Schutz Ungeschützter betroffen sind: genau die Muster, die diese Seite in den Tageszeit- und Schwerverkehrsdaten zeigt. Ausführlich mit Quellen im Bericht.

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