L203 · Verkehrssicherheit Reichsstraße, Lustenau
Auswertung 2013–2025 · Stand 17. August 2026
Bericht übergeben — am 17. August 2026 an Bürgermeister und Vizebürgermeister. Der Verkehrssicherheitsgipfel mit dem Land Vorarlberg findet Mitte September statt. Bericht herunterladen (PDF)

Reichsstraße (L203) · Lustenau, Vorarlberg

Verkehrssicherheit an der Reichsstraße

Ein Bericht des Vereins Lebensraum L203 Lustenau zu allen polizeilich erfassten Unfällen mit Personenschaden der Jahre 2013 bis 2025 entlang des rund 1,3 km langen Korridors — mit Schwerpunkt auf den ungeschützten Verkehrsteilnehmern Fußgänger, Radfahrer und Kinder.

190
Unfälle mit Personenschaden
2013–2025, gesamter Abschnitt
27 %
mit Fußgänger- oder Radfahrerbeteiligung
52 von 190 Unfällen
3
Verkehrstote am Korridor
medienbelegt — alle mit Lkw beteiligt
2
tödliche Radunfälle 2026
an zuvor ausgewiesenen Häufungsstellen

Datengrundlage: Statistik Austria, Unfallatlas — Merkmalsauszug je Unfall (Layer UDM_POINT), Korridorstreifen von höchstens 30 Metern beidseits der Straßenachse. Eigene Auswertung, Stand 17. August 2026. Daten bis 2025; das Jahr 2026 ist im Atlas noch nicht enthalten. Werte gerundet, ohne Gewähr.1

Der Bericht

Warum es diesen Bericht gibt

Am 8. Mai 2026 wurde an der Kreuzung Reichsstraße / Blumenaustraße ein Radfahrer von einem rechts abbiegenden Lkw erfasst und tödlich verletzt. Fünf Wochen später, am 12. Juni 2026, starb beim „Lustenauer Hof" eine 64-jährige Radfahrerin, als ein Lkw bei Grün halblinks abbog. Vier Tage danach stürzte an derselben Kreuzung Blumenaustraße ein E-Bike-Fahrer, weil ihn ein links abbiegender Lkw übersehen hatte.

Am 25. Juni 2026 forderte die Marktgemeinde Lustenau daraufhin einen Verkehrssicherheitsgipfel für die L203 — mit dem Land Vorarlberg als Straßenerhalter, der Bezirkshauptmannschaft, der Polizei und ausdrücklich unabhängigen Verkehrsplanern. Aus der wiederkehrenden Erfahrung im Alltag heraus haben Anrainerinnen und Anrainer am 5. Juli 2026 den Verein Lebensraum L203 Lustenau gegründet und diesen Bericht erarbeitet.

Der Verein ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, überparteilich, unabhängig und nicht auf Gewinn gerichtet. Der Bericht beruht ausschließlich auf öffentlich zugänglichen Quellen, ist reproduzierbar und ersetzt keine behördliche Unfalluntersuchung. Er legt die Datenlage offen, benennt und priorisiert die Gefahrenstellen, schlägt umsetzbare Maßnahmen vor und benennt die verbleibenden Datenlücken, die nur die Behörde schließen kann.

Übergabe und nächste Schritte

Der Bericht wurde am 17. August 2026 dem Bürgermeister und dem Vizebürgermeister der Marktgemeinde Lustenau präsentiert und übergeben. Der Verkehrssicherheitsgipfel mit dem Land Vorarlberg ist für Mitte September 2026 angesetzt. Bis dahin bleibt der Bericht hier vollständig abrufbar; Rückmeldungen aus der Bevölkerung fließen über die Erhebung zu erlebten Gefahrensituationen ein. Über die Ergebnisse informiert der Verein per E-Mail-Update.

Der gesamte Bericht zum Download

„Verkehrssicherheit an der L203 Reichsstraße" — Unfallanalyse 2013–2025, Verkehrsmengen, Bestand und Straßenraum, Lkw-Abbiegekonflikt, Zolldigitalisierung, Knotenbewertung und Maßnahmenkatalog. Fassung, die am 17. August 2026 übergeben wurde.

Sämtliche Zahlen beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen, sind reproduzierbar, aber ohne Gewähr und vor amtlicher Verwendung mit einem behördlichen Datenexport abzugleichen.

Kernbefund

Die amtliche Statistik wies Blumenaustraße und Lustenauer Hof bereits 2013–2025 als Häufungsstellen aus. 2026 starben dort zwei Radfahrer — beide durch abbiegende Lkw. Genau dieser Konflikt ist baulich lösbar. Synthese aus Unfallauswertung und Pressespiegel

Die Auswertung verbindet zwei Datenebenen: die flächendeckende, aber anonyme amtliche Unfallstatistik 2013–2025 und die detaillierten, aber lückenhaften Medienberichte zu einzelnen schweren Unfällen. Erst zusammen ergeben sie ein belastbares Bild — und sie stützen sich gegenseitig: Die Statistik markierte die Knoten, an denen 2026 zwei Menschen starben, schon Jahre zuvor als auffällig.

Kurzzusammenfassung

Die wichtigsten Punkte

1 · Gut ein Viertel aller Unfälle trifft Fuß- und Radverkehr

52 der 190 Unfälle (27 %) betrafen Fußgänger oder Radfahrende — bei Radfahrenden fast immer im Konflikt mit motorisiertem Verkehr.1 → Datenauswertung

2 · Die Belastung ist gemessen und außergewöhnlich hoch

Die amtliche Dauerzählstelle 90551 weist für 2025 ein Jahresmittel von 19.907 Kfz je 24 Stunden aus — Rang 5 von 90 gemessenen Landesstraßen-Querschnitten Vorarlbergs und rund das 2,3-fache des Landesmedians. → Verkehrsmengen

3 · Werktags ist jedes siebte Fahrzeug ein Lkw

Der Schwerverkehrsanteil beträgt an Werktagen (Di–Do) 13,8 Prozent bei rund 2.700 Lkw-ähnlichen Fahrzeugen pro Werktag. Im Ortsgebiet liegt der Regelbereich bei 5 bis 8 Prozent.

4 · Lkw sind selten beteiligt, aber überproportional tödlich

Nur 16 der 190 Unfälle hatten Lkw-Beteiligung (8,4 %). Zugleich waren alle drei medienbelegten Verkehrstoten am Korridor Unfälle mit Lkw-Beteiligung. → Lkw-Abbiegekonflikt

5 · Zwei der größten Häufungen wurden bisher nicht untersucht

Damm-/Schillerstraße (41 Unfälle, davon 17 allein 2022–2024, 12 mit Fuß-/Radbeteiligung) und der Südabschnitt an der Rheinbrücke (38 % VRU-Quote) kommen in der bisherigen Sichtweiten-Analyse nicht vor. → Häufungsstellen

6 · Der tödliche Konflikt ist ein anderer als der bisher untersuchte

Die bisherige Analyse prüfte Sichtweiten beim Einbiegen aus Nebenstraßen (Pkw). Die tödlichen Radunfälle 2026 entstanden dagegen durch abbiegende Lkw, die längs geführte Radfahrende übersehen. Dieser Konflikt wird durch längere Schenkellängen nicht entschärft. → Maßnahmen

7 · Die Radverkehrsanlage unterschreitet über weite Strecken den Zielwert

Die Vermessung vom August 2026 findet Breiten zwischen 100 und 175 Zentimetern; 9 von 14 gemessenen Querschnitten liegen unter dem Zielwert von 150 Zentimetern, mehrere nutzbare Gehsteigbreiten bei 60 bis 80 Zentimetern.

8 · Eine sichere Lösung ist an derselben Straße bereits gebaut

Der Knoten L203 / Raiffeisenstraße kommt mit 6,20 bis 6,50 Metern Fahrbahn, einem eigenen Radfahrstreifen von 1,80 Metern und einer Fußgängerampel aus — bei derselben Verkehrsbelastung. Was dort funktioniert, ist auch im Untersuchungsgebiet möglich.

Bericht & Daten

Zum Nachlesen und Nachrechnen

Diese Website fasst die Auswertung kapitelweise zusammen. Der vollständige Bericht und die Rohdaten der Auswertung stehen zum Download bereit.

Die Auswertung beruht ausschließlich auf öffentlich zugänglichen Quellen: dem offenen Unfallatlas der Statistik Austria, den Kennwerten der amtlichen Verkehrszählstellen und der regionalen Berichterstattung. Sämtliche Einzelfälle sind auf der Seite Quellen & Methodik mit Fundstelle nachgewiesen.

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