L203 · Verkehrssicherheit Reichsstraße, Lustenau
Auswertung 2013–2025 · Stand 17. August 2026
Bericht übergeben — am 17. August 2026 an Bürgermeister und Vizebürgermeister. Der Verkehrssicherheitsgipfel mit dem Land Vorarlberg findet Mitte September statt. Bericht herunterladen (PDF)

01 · Datenauswertung

190 Unfälle, 13 Jahre, ein Korridor

Grundlage ist der offene Unfallatlas der Statistik Austria: alle polizeilich erfassten Straßenverkehrsunfälle mit Personenschaden 2013–2025 entlang der rund 1,3 km langen Reichsstraße, ausgewertet nach der Beteiligung von Fußgängern und Radfahrern.1

190
Unfälle mit Personenschaden
Ø 14,6 pro Jahr
52
mit Fuß-/Radbeteiligung
27 % aller Unfälle
41
mit Radfahrerbeteiligung
häufigster Konflikt: Rad × Pkw
11
mit Fußgängerbeteiligung
fast ausschließlich gegen Pkw

Zeitverlauf

Unfälle pro Jahr

Über die 13 Jahre schwankt das Niveau ohne klaren Trend zwischen 8 (2014) und 23 Unfällen (2022). Eine Bewertung in Richtung „mehr" oder „weniger" wäre ohne Normierung auf die Verkehrsstärke unseriös — die Reihe dient hier der Einordnung der Häufungs-Auswertung, nicht als Entwicklungsaussage.

0 5 10 15 20 25 17 2013 8 2014 9 2015 15 2016 15 2017 12 2018 14 2019 12 2020 18 2021 23 2022 10 2023 16 2024 21 2025

Unfälle mit Personenschaden je Kalenderjahr, gesamter Abschnitt Nord–Süd. Höchstwert 2022 hervorgehoben. Quelle: Statistik Austria, Unfallatlas — eigene Auswertung.

Räumliche Verteilung

Sieben Häufungsstellen entlang der Reichsstraße

Die Unfälle verteilen sich nicht gleichmäßig, sondern bündeln sich an den Knotenpunkten. Die folgende Tabelle ordnet sie von Nord nach Süd und weist für jeden Bereich die Fuß-/Radfahrer-Quote (VRU) sowie das dichteste Dreijahresfenster aus — die Bezugsgröße des amtlichen Unfallhäufungsstellen-Kriteriums.

VRU = ungeschützte Verkehrsteilnehmer (Fußgänger + Radfahrer). Status bezieht sich auf die ursprüngliche Sichtweiten-Studie. Quelle: Statistik Austria, Unfallatlas — eigene Auswertung.
Bereich (Nord → Süd) Querstraßen Status Unfälle Rad Fuß VRU VRU % dichtestes 3-J-Fenster
Lustenauerhof (Nord)Rheindorferstr. (Nordast) nur Unfallkarte 2150524 %12 (ab 2015)
LindeRheinstr. / Amann-Fitz-Str. analysiert 2644831 %11 (ab 2020)
Quellen-/RheindorferstraßeQuellenstr. / Rheindorferstr. analysiert 1532533 %7 (ab 2020)
BlumenaustraßeBlumenaustr. / Roseggerstr. analysiert 4681920 %12 (ab 2013)
RudolfstraßeRudolfstraße Lücke 2041525 %6 (ab 2015)
Damm-/SchillerstraßeDammstr. / Schillerstr. Lücke 41931229 %17 (ab 2022)
Süd / RheinbrückeKirchstr. / Reichshofstr. Lücke 2180838 %7 (ab 2019)
GesamtL203 Nord–Süd (~1,3 km) 19041115227 %

Die wichtigste Lücke

Die beiden kritischsten Häufungen — Damm-/Schillerstraße (41 Unfälle, davon 17 allein im Fenster ab 2022, und mit 12 die höchste VRU-Zahl im Abschnitt) und der Südabschnitt an der Rheinbrücke (38 % — die höchste VRU-Quote) — wurden in der ursprünglichen Sichtweiten-Studie nicht erfasst. Die Auswertung legt nahe, die Sichtanalyse auf diese Knoten auszuweiten.

Infografik der Unfallauswertung L203: Kennzahlen (190 Unfälle, 52 mit Fuß/Rad), Häufungsstellen mit Fuß-/Radanteil je Bereich und Balkendiagramm der Unfälle pro Jahr.
Abb. 1 — Gesamtübersicht: Kennzahlen, Häufungen je Bereich (rot = mit Fuß/Rad) und Jahresreihe 2013–2025. SVG öffnen · PNG

Schwere · Ursachen · Typen

Was die amtlichen Merkmale je Unfall zeigen

Zu jedem Korridor-Unfall liegen im Atlas Verletzungsgrad, Unfalltyp, vermutliche Ursache und die beteiligten Verkehrsarten vor. Sie wurden hier erstmals ausgewertet. Das Bild bestätigt den Abbiege- und Kreuzungskonflikt als Kern des Problems — und zeigt zugleich, dass die amtliche Schwerebilanz die Lage von 2026 noch nicht abbildet.1

Zur Zahl: Maßgeblich ist die Auszählung des übergebenen Berichts — 190 Unfälle im Korridorstreifen von höchstens 30 Metern beidseits der Straßenachse. Sie ersetzt zwei frühere, unvollständige Auszählungen (171 in der ersten Studienfassung, 174 in einer Zwischenfassung dieser Website). Grund: Der Atlas-Kartendienst liefert je Abfrage höchstens zehn Punkte; dicht belegte Knoten wurden erst durch adaptive Verfeinerung des Abfrageraster vollständig erfasst und über die eindeutige Unfallkennung entdoppelt. Alle Zahlen dieser Seite stammen aus diesem Datensatz und stimmen mit dem PDF-Bericht überein.

174
Unfälle mit Leichtverletzten
2013–2025, Korridor
15
Unfälle mit Schwerverletzten
8 davon mit Rad, Fuß oder Moped
1
tödlicher Unfall im Atlas
2020, Lkw × Fußgänger am Schutzweg
16
Unfälle mit Lkw-Beteiligung
8,4 % aller Korridor-Unfälle

Warum nur eine tödliche Person in der Statistik?

Der offene Atlas reicht nur bis 2025. Die zwei tödlichen Radunfälle 2026 (Mai und Juni, beide mit abbiegendem Lkw) sind darin noch nicht enthalten. Die amtliche Bilanz von einem Getöteten (2013–2025) unterzeichnet die reale Gefährdung — die Chronik führt die aktuellen Fälle. Bemerkenswert: von den 16 schwersten Unfällen (schwer + tödlich) trafen 9 ungeschützte Verkehrsteilnehmer (Rad, Fuß, Moped).

Vermutliche Hauptunfallursache (Einschätzung der Polizei) und Unfalltyp je Korridor-Unfall. Quelle: Statistik Austria, Unfallatlas — Merkmalsauszug, eigene Auswertung. Werte ohne Gewähr.
Vermutliche HauptursacheUnfälleAnteil
Unachtsamkeit / Ablenkung6936 %
Vorrangverletzung4624 %
Mangelnder Sicherheitsabstand2111 %
Nichtangepasste Geschwindigkeit105 %
Missachtung von Geboten/Verboten95 %
Sonstige / nicht klassifizierbar3518 %
  • 45 % aller Unfälle (85 von 190) sind Kreuzungs-, Abbiege- oder Einbiege-/Ausfahrtstypen — die häufigsten Einzeltypen sind Kollision bei Aus-/Einfahrt (18), Auffahren im Kreuzungsbereich (15) und Kollision auf der Kreuzung (14).
  • Vorrangverletzung ist mit 24 % die zweithäufigste Ursache — der statistische Fingerabdruck des Abbiege-/Kreuzungskonflikts, um den sich diese Auswertung dreht.
  • Alleinstürze (Sturz vom/im Fahrzeug, 19) betreffen überwiegend Zweiradfahrende und deuten auf Fahrbahn- und Infrastrukturmängel entlang des Korridors.

Beteiligung

Wer war mit wem beteiligt

Die Konfliktmatrix zählt für jede Kombination von Verkehrsarten die Zahl der Unfälle, an denen beide beteiligt waren. Sie macht den zentralen Befund sichtbar: Radfahrer und Fußgänger geraten fast immer mit motorisiertem Verkehr in Konflikt — am häufigsten mit dem Pkw.

Zelle = Unfälle mit Beteiligung beider Arten (Matrix symmetrisch). Diagonale = nur diese Art (Alleinunfall oder Kollision gleicher Arten). Lkw jetzt aus dem Merkmalsauszug eigens getrennt. Mehrfachbeteiligung möglich — Summe „beteiligt gesamt" (252) > 190 Unfälle. E-Scooter (4 Unfälle) nicht gesondert dargestellt. Quelle: Statistik Austria, Unfallatlas — eigene Auswertung.
Fußg.RadMopedMotorradPKWLkwΣ beteiligt
Fußgänger20008111
Radfahrer0170121241
Moped00509014
Motorrad010314018
PKW8219148812152
Lkw120012116
  • Häufigster VRU-Konflikt: Radfahrer × Pkw = 21. Fußgänger × Pkw = 8.
  • Lkw jetzt eigens ausgewiesen: Der Merkmalsauszug trennt Lkw von Bus und Sonderfahrzeug — 16 Korridor-Unfälle mit Lkw-Beteiligung, davon 3 mit Rad oder Fußgänger. 17 Radunfälle sind Alleinstürze (Diagonale), was auf Fahrbahn- und Führungsmängel deutet.
  • Die entscheidende Diskrepanz: Lkw ergeben statistisch nur wenige VRU-Fälle, sind in der Schwere aber dominant — der einzige im Atlas erfasste Verkehrstote (2020) war ein Fußgänger, erfasst von einem Lkw; 2026 kamen zwei Radfahrer durch abbiegende Lkw hinzu. Lkw-Unfälle sind selten, aber überproportional tödlich →
Konfliktmatrix: für jede Kombination von Verkehrsarten die Zahl der Unfälle mit beiden Beteiligten, farblich nach Häufigkeit.
Abb. 2 — Konfliktmatrix mit Farbintensität nach Häufigkeit. SVG öffnen · PNG
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